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Gerechtigkeit im Kindergarten

Um Missverständnisse zu vermeiden: Der folgende Text dreht sich um subjektive Ungerechtigkeit und Ungleichheit und den Konsequenzen wenn man versucht, solche einzudämmen.

Seit Wochen schon ist die morgentliche Znünipause der grosse Frust-Moment für die Kindergärtnerin. Allen Ermahnungen und Hinweisen an den Elternabenden zum Trotz lässt es sich Annas Mutter nicht nehmen, ihrer Tochter jeden Morgen neben den Rüebli und dem Vollkornbrötchen noch etwas Süsses ins Znüni-Täschli zu packen. Meist ist es ein Schoggi-Stängeli, manchmal ein paar Gummibärchen oder ein Stück Kuchen vom Wochenende; jeden Tag rundet Anna unter den neidischen Blicken ihrer Gspänli ihr Znüni mit einem süssen Touch ab. Letzte Woche war es ein Mohrenkopf, der bei einigen Gspänli gar für Tränen sorge und dessen süsslicher Geruch noch einige Zeit in der Luft hing.

Schlussendlich hat die Kindergärtnerin genug. Nach einer letzten fruchtlosen Ermahnung an die Adresse von Annas Mutter richtet sie einen morgendlichen Znüni-Tisch ein, auf den jedes Kind sein Znüni-Täschli beim Eintreffen entleert. In der Znüni-Pause kann sich dann jeder und jede nach Lust und Laune bedienen, die Kindergärtnerin führt hierzu ein Rotationssystem ein um sicherzustellen dass jedes Kind mal als erstes drankommt. Prompt führt diese Änderung am ersten Tag erneut zu Tränen, diesmal bei Anna welche zusehen muss wie ihr Schoggistengel von Sophia gegessen wird.

Am nächsten Tag enthält Annas Znünitäschli nur noch Rüebli und Vollkornbrötchen, von Süssigkeiten ist weit und breit nichts zu sehen. Erleichtert hakt die Kindergärtnerin diese Episode ab und nimmt sich vor, die Massnahme als Vorschlag für alle an den nächsten Kindergärtnerinnen-Treff mitzunehmen. Anna freut sich derweilen schon auf den nächsten Morgen und die paar ruhigen Momente auf dem Kindsgi-Weg während denen sie ihr Schoggistängeli verspeisen kann.

PS: Ein paar Wochen später beginnt Noah damit, am Morgen ohne Znüni in den Kindergarten zu kommen sofern er nicht als Letzter mit auswählen dran ist. Aber das ist eine andere Geschichte.