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Ich miete mir ein Fussball-Stadion

In einigen Wochen stimmen die Stadtzüricher Stimmbürger darüber ab, ob auf dem Areal des ehemaligen Hardturm-Stadions ein neues, reines Fussballstadion gebaut werden soll. Als Argumente werden hierbei vor allem die Untauglichkeit des Letzigrunds für eine tolle Fussballatmosphäre und dem Wunsch der beiden Stadtzürcher Clubs nach einer eigenen „Arena“ ins Feld geführt. So verspricht man sich vom neuen Stadion mehr Publikumszulauf, höhere Einnahmen und damit verbunden sportliche Möglichkeiten. Blenden wir für einen Moment die Löcher in dieser Argumentationskette aus, blenden wir auch aus dass die Clubs heute schon mit sportlicher Leistung und Konstanz mehr Zuschauer anlocken könnten, ignorieren wir die Frage, ob es auf dem Freizeitmarkt Zürich nicht einfach zuviele konkurrenzierende Angebote gibt oder ob zwei Zürcher Super League-Clubs vielleicht einer zuviel sind. Aber fragen wir uns, ob Investitionskosten weit über 200 Mio direkt aus der städtischen Kasse und der Ausblick auf die städtische Übernahme der Betriebskosten nicht vielleicht etwas des guten zuviel sind, insbesondere in einer Zeit in der die städtischen Steuereinnahmen „dank“ dem kriselnden Finanzplatz nicht mehr ganz so üppig sprudeln. Dadurch wirkt  die fehlende Kostenbeteiligung von Seiten der Clubs und deren Sponsoren doppelt unerfreulich.

Fussballclubs als Mieter

Netterweise hat FCZ-Präsident Canepa den Gegnern des Stadionprojekts ein extrem gutes Argument in die Hand gegeben. Fussball-mässig ausgedrückt entspricht seine Aussage, die Clubs seien als Mieter nicht für Gestaltung und Ausstattung des Stadions zuständig, wohl dem Ballverlust des letzten Manns in der eigenen Platzhälfte. Dummerweise zeugt das Argument von relativ wenig Wissen über das reale Vertragsverhältnis zwischen Mieter und Vermieter.

Bei privaten Mieten (Wohnungsmieten) hat der Mieter typischerweise gar nichts zur Inneneinrichtung des Mietobjekts zu sagen, er kann allenfalls defekte Geräte und Vormieter-Spuren an Wänden etc. bemängeln. In gewissen Grenzen ist ein Innenumbau auf eigene Kosten möglich, zum Beispiel das Nachrüsten eines Geschirrspülers oder einer Waschmaschine im Badezimmer. Üblicherweise muss die Wohnung bei Mietende dann wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden, auf Kosten des scheidenden Mieters selbstverständlich.

Bei gewerblichen Mieten (Büros, Fabrikationsräume etc.) ist es hingegen oft so, dass der Mieter das Objekt quasi roh übernimmt und den Innenausbau in eigener Regie und auf eigene Kosten vornimmt. Dahinter steht der naheliegende Gedanke dass bei gewerblicher Nutzung die Anforderungen so unterschiedlich sind dass kein Vermieter in der Lage ist, „gute“ Objekte auszustatten und dann auch noch Mieter zu finden.

Wenn wir diese Mieter-Szenarien nun auf das neue Hardturm-Stadion übertragen, gibt es schlichtweg keinen Grund, wieso die Stadt ein vollständig ausgerüstetes Stadium bereitstellen muss, welches alle (auch konkurrenzierende) Wünsche der beiden Clubs erfüllt. Im Gegenteil, die Analogie zeigt einen Weg auf, die Kosten auf ein realistisches Mass zu senken und den Clubs die Möglichkeit zu geben, den darüber hinaus gewünschten Ausbau selbst (oder via Sponsoren) zu finanzieren:

  • Zwei Garderobenbereiche (Heim- und Auswärtsmannschaft) genügen grundsätzlich. Wenn die Clubs je eigene Garderoben wollen: bitte sehr, her mit den Sponsorengeldern

  • Die FIFA hat ihre Unterstützung wegen den Stehplätzen zurückgezogen. Also weg damit (und her mit den 20 Mio), wenn die Clubs und ihre Fans auf Stehplätzen beharren, können sie sich für 20 Mio gerne einen entsprechenden Sektor kaufen

  • Die Fans bestehen auf je eigene Fan-Sektoren. Können sie gerne haben, aber bitte selber bezahlen (und auch gleich noch unterhalten), standardmässig gibt es nur eine Heim- und eine Auswärtskurve (wie halt in praktisch allen anderen Stadien dieser Welt auch).

Defizitgarantie für Betriebskosten

Netterweise hilft uns die Mieter-Analogie auch gleich bei den Betriebskosten weiter. Auch hier muss man wohl lange suchen, um einen Vermieter zu finden welcher bereit ist, für die Betriebskosten seiner Mieter/Kunden aufzukommen falls es diese nicht schaffen, genügend Ertrag zu generieren. Nun ist die Situation natürlich insofern etwas heikel, als dass die Stadt genauso auf GC/FCZ als Mieter angewiesen ist wie umgekehrt (da in diesem Fall ja auch der Mietermarkt höchst inflexibel ist). Anstelle einer pauschalen Defizitgarantie (welche angesichts der heute schon angespannten Finanzsituation der beiden Clubs und deren Klagen über die Matchkosten im Letzigrund voraussichtlich regelmässig in Anspruch genommen werden wird) wäre  im Minimum zu erwarten, dass diese an entsprechende Gegenleistungen der Clubs gebunden ist. Über deren Form lässt sich sicher diskutieren, allenfalls könnte man auch über eine erhöhte Sportförderung der Stadtzürcher Jugend oder über Benefiz- und Galaanlässe der Clubs diskutieren; wichtig ist primär dass sich die Clubs auch bei den Betriebskosten monetär oder halt nicht-monetär beteiligen. 

Fazit

Ich bin Fussballfan genug um beiden Clubs ein Fussballstadion zu gönnen und würde mich über viele spannende Spiele in packender Atmosphäre freuen. Solange das aber rein auf dem Buckel der Steuerzahler geschieht, will sich irgendwie keine rechte Freude einstellen. Mit einer reinen Anspruchshaltung ohne jegliche Eigenleistung schaden sich die beiden Fussball-Clubs vor allem selber.