Ein Online-Blogstöckchen

Ich habe mir von @Frau_W ein Blogstöckchen geschnappt, das sich vor allem um das Thema Online-Verhalten dreht.

1. Auf welcher Plattform warst du zuerst unterwegs? Was war deine Motivation?

Also wenn wir ganz bei Adam und Eva anfangen wollen, dann waren meine ersten Kontakte mit Dingen, welche wir heute Social Media-Plattformen nennen, irgendwann in den späten 80ern. Damals hiess das zwar noch Mailbox oder BBS (Bulletin Board System), es bot grundsätzlich aber praktisch alles was es heute auch gibt: Mail, Chat, Diskussionsforen, verbunden mit mehr oder weniger gehaltvollen Diskussionen, Trolls, Flames etc. usw. Die Motivation war dabei vor allem technische Neugier, Diskussionen unter mehr oder weniger gleichgesinnten und das extrem coole Gefühl, auf einem Rechner im Ausland oder sogar in Übersee einzuloggen (auch wenn es ein Vermögen gekostet hat).

Seit etwa einem Jahr bin ich jetzt wieder aktiv bei Twitter unterwegs (im dritten Anlauf, die ersten Accounts sind schon lange gelöscht), ursprünglich vor allem wegen dem Twitter-Lesezirkel (und unterdessen einigem mehr). Daneben bin ich (extrem passiv) auf Xing und LinkedIn zu finden.

2. Wie erklärst du einem Menschen, der sich überhaupt nicht damit auskennt, Twitter?

Nach diversen fruchtlosen Versuchen, Twitter anderen Leuten zu erklären, hab ich irgendwann auf „Anmelden und ausprobieren“ umgesattel. Typischerweise gebe ich dann noch ein paar Tipps bezüglich interessanten Leuten denen man zum Einstieg folgen könnte (hängt aber vom jeweiligen Gegenüber ab) und lass sie den Rest selber rausfinden (oder eben nicht).

3. Wo befindet sich dein Smartphone über Nacht – und warum?

Im Airplane-Modus neben meinem Bett, damit ich am Morgen den Wecker höre

4. Welche Online-Tools kannst du empfehlen?

Ich brauche relativ wenige reine Online-Tools, für das meiste habe ich ganz gerne die relevanten Daten lokal auf meinem Rechner (auch aus Datenschutzgründen). Doodle ist etwas was ich eher oft verwende, allenfalls noch Dropbox und Evernote für Dinge bei denen es mir egal ist ob Fremde das mitkriegen könnten.

5. Ist es dir wichtig, wie viele Follower/Freunde du hast? Warum ja/nein?

Das ist mir so ziemlich egal, insofern könnte ich jetzt auch nicht einfach sagen wieviele es zur Zeit sind. Grundsätzlich schreibe ich das was mir wichtig ist und interagiere mit Leuten mit welchen Diskussionen Spass machen und anregend sind. Wenn sich da weitere beteiligen wollen (und sei es auch nur lesend), bitte sehr.

6. Gehst du an Social Media-Treffen und warum tust du es (oder eben nicht)?

Wenn es thematisch und terminlich passt, sind via Twitter organisierte Treffen durchaus interessant (sowohl im grösseren wie auch im kleineren Rahmen). Wichtig ist mir aber primär, dass es um etwas geht was mich inhaltlich interessiert oder dass ich mal spezfische Menschen hinter den Accounts kennenlernen kann.

7. Gehst du bewusst mit deiner Online-Zeit um und möchtest du diesbezüglich etwas ändern?

Öh, Moment, muss rasch Twitter checken Oder mit anderen Worten: Das ist ein schwieriges Thema. Grundsätzlich versuche ich, meine Online- und vor allem Twitter-Zeiten zu limitieren, was aber gerade bei Diskussionen nicht immer ganz einfach ist. Manchmal ist es dann schon am Besten, das Gerät einfach mal zur Seite zu legen.

8. Was steht in deiner Twitter-Bio und was möchtest du damit aussagen?

Stadt Zürich-Bewohner mit mehrfachem Migrationshintergrund, Apple-affiner Technik-Geek, Allesleser, Weitwanderer, eine Hälfte, Vater^3

Ich denke damit ist alles gesagt was wichtig ist.

9. Hast du schon einmal einen total emotionalen Post abgesetzt, was ist danach passiert und was hast du daraus gelernt?

Einen? Hunderte! Meist mit nicht unbedingt gerade positiven Ergebnissen/Reaktionen, die aber zumindest teilweise auch ein Stückchen gewollt waren. Auf Twitter ist das Problem allerdings für mich nicht so gross, da die Längenbegrenzung allzu emotionale Reaktionen verhindert oder zumindest abschwächt (solange man nicht gerade nur eine Reihe von Schimpfwörtern reinschreibt). Meine emotionalen Posts sind meistens Mails, typischerweise gegen Ende von langen Arbeitstagen.

10. Welche fünf Begriffe beschreiben dein aktuelles Befinden?

müde, zufrieden mit dem Tag, amüsiert, gespannt auf Morgen und reif für einen Whisky


Für den/die nächste Schreibende habe ich folgende Fragen als Anregung:

  1. Auf welchen Social Media-Plattformen bist Du aus welchem Grund aktiv?
  2. Wenn Du Dich auf eine dieser Plattformen limitieren müsstest: welche wäre das und wieso?
  3. Gibt es Dinge bei denen Du zwischen Real Life und Online trennst und warum (bzw. warum nicht)?
  4. Wie lange kannst Du freiwillig auf Social Media verzichten?
  5. Bist Du wegen Deiner Social Media-Nutzung schon mal in peinliche Situation geraten (und wie dann wieder raus)?
  6. Wie gedenkst Du zu reagieren wenn Dich Deine Kinder in 10 Jahren mit Deinen Online-Spuren konfrontieren?
  7. Welche Dinge stossen Dich in Online-Medien ab oder ärgern Dich zutiefst?
  8. Wo und wie siehst Du Social Media in 10 Jahren?

@LukiSam hat das Stöckchen aufgegriffen, vielen Dank!

Gerechtigkeit im Kindergarten

Um Missverständnisse zu vermeiden: Der folgende Text dreht sich um subjektive Ungerechtigkeit und Ungleichheit und den Konsequenzen wenn man versucht, solche einzudämmen.

Seit Wochen schon ist die morgentliche Znünipause der grosse Frust-Moment für die Kindergärtnerin. Allen Ermahnungen und Hinweisen an den Elternabenden zum Trotz lässt es sich Annas Mutter nicht nehmen, ihrer Tochter jeden Morgen neben den Rüebli und dem Vollkornbrötchen noch etwas Süsses ins Znüni-Täschli zu packen. Meist ist es ein Schoggi-Stängeli, manchmal ein paar Gummibärchen oder ein Stück Kuchen vom Wochenende; jeden Tag rundet Anna unter den neidischen Blicken ihrer Gspänli ihr Znüni mit einem süssen Touch ab. Letzte Woche war es ein Mohrenkopf, der bei einigen Gspänli gar für Tränen sorge und dessen süsslicher Geruch noch einige Zeit in der Luft hing.

Schlussendlich hat die Kindergärtnerin genug. Nach einer letzten fruchtlosen Ermahnung an die Adresse von Annas Mutter richtet sie einen morgendlichen Znüni-Tisch ein, auf den jedes Kind sein Znüni-Täschli beim Eintreffen entleert. In der Znüni-Pause kann sich dann jeder und jede nach Lust und Laune bedienen, die Kindergärtnerin führt hierzu ein Rotationssystem ein um sicherzustellen dass jedes Kind mal als erstes drankommt. Prompt führt diese Änderung am ersten Tag erneut zu Tränen, diesmal bei Anna welche zusehen muss wie ihr Schoggistengel von Sophia gegessen wird.

Am nächsten Tag enthält Annas Znünitäschli nur noch Rüebli und Vollkornbrötchen, von Süssigkeiten ist weit und breit nichts zu sehen. Erleichtert hakt die Kindergärtnerin diese Episode ab und nimmt sich vor, die Massnahme als Vorschlag für alle an den nächsten Kindergärtnerinnen-Treff mitzunehmen. Anna freut sich derweilen schon auf den nächsten Morgen und die paar ruhigen Momente auf dem Kindsgi-Weg während denen sie ihr Schoggistängeli verspeisen kann.

PS: Ein paar Wochen später beginnt Noah damit, am Morgen ohne Znüni in den Kindergarten zu kommen sofern er nicht als Letzter mit auswählen dran ist. Aber das ist eine andere Geschichte.